Firmenname - Friedrich Christian Laukhard
Ein Marionettenspieler, Joseph Wieland, brachte mich, Tenner und Dern auf den Gedanken, auch Komödien zu spielen.  Aber wie, wo und durch welche Mittel? das war die Frage. Ich besprach alles mit dem Herrn Professor Schmid. Er erbot sich gleich, die Direktion zu übernehmen und riet mir,  einen Aufsatz circulieren zu lassen und Beiträge von Geld bei den Honoratioren einzusammeln. Geraten, getan! Der Tambour Hofmann und der Karzerknecht Cordanus mussten kontrollieren und in einigen Tagen hatten wir so viel Geld als nötig war, ein Theater zu bauen und Kulissen nebst anderen Bedürfnissen anzuschaffen. Zum Theater schlug Herr Schmid das theologische Auditorium vor: denn das große Juristische war zu Disputationen und Promotionen bestimmt.

Ich hielt beim Dekan darum an: aber der alte D. Benner hielt dies für Entheiligung und schlug das Gesuch ab. Also musste das philosophische Auditorium dazu herhalten. Dieses war seit langer Zeit der Heustall der Pedellen gewesen!! Wir ließen es reinigen und bauten ein Theater für 80 Gulden. Kulissen, Vorhang, Lichter zur ersten Vorstellung und dergleichen kossssteten beinahe eben so viel. So waren wir denn im Stande, unsere Kunst zu zeigen.

Ich war Rollenmeister, Tenner Aufseher der Kasse und Dern Theatermeister: über uns alle war der Dux gregis Ipse caper, Herr Schmid, verlud inter inges lnna? minores. Das erste Stück, welches wir gaben, war Brandes Trau, schau, wem.

Unsre Actrizen waren anfangs hübsche milchbärtige Studenten; nachher aber spielten auch wirkliche Frauenzimmer mit. So wurde noch die Zeit über, die ich in Gießen war, Lessings junger Gelehrter, der Zerstreute aus dem komischen Theater der Franzosen, Stephanies Desrteur aus Kindesliebe, der Bamarbas von Holzberg und der Postzug u.a. aufgeführt. Herr Schmid ließ jedesmal in der Darmstädter Zeitung ein großes Wesen von der Vortrefflichkeit unserer Action machen. 

Anfangs spielte ich selbst mit, war z.B. der Graf von Werlingen im Trau, schau, wem, und Magister Stifelius im Bramarbas. Aber da ich bald merkte, dass ich zum Theater verdorben war; so gab ich das Mitspielen auf, behielt aber mein Amt als Rollenmeister, bis zu meinem Abzug aus Gießen. Dieses Komödienspielen hat wenig gutes gestiftet.

Unsre Bursche fanden einen so starken Geschmack am Spektakel, dass alles ernsthaftere Studieren darüber vernachlässigt wurde, und jeder nur Komödien las. Die mitspielenden Personen konnten vollends gar nicht studieren. Nach meinem Abschied hat der Landgraf die Komödie verbieten lassen. Man hatte ihm vorgestellt, dass sie die ganze Universität zerrrütten würde. Nichts hat aber durch das Schauspiel mehr gelitten, als der Komment und die Orden. Denn die Verbindungen der Spielenden waren nun viel fester als die Orden und über den Komment wurde gelacht. Eulerkapper hatte auch mehr Ruhe. Der Ton war Frivolität.


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