„Wenn
wir von Goethe oder Herder reden, von Kant und Fichte, so dürfen wir
von Magister Laukhard nicht schweigen! Er müßte in Erz gegossen auf
dem Sockel des Goethe-Schiller-Denkmals in Weimar zu Füßen der
Großen sitzen. ...unmittelbarer, vollkommener und besser als es
Hunderte und Aberhunderte abstrakte verallgemeinernde
wissenschaftliche Darstellungen, Geschichts-Philosophien und
Kulturgeschichten vermöchten, führen und die Ich-Bekenntnisse eines
Laukhard hinein in das Leben am Ausgang des 18. Jahrhunderts...“
Diese apodiktische Forderung
eines Rezensenten anläßlich der Neuausgabe der Autobiographie von
Friedrich Christian Laukhard durch Petersen im Jahr 1908 ist, zwar
nicht in Erz sondern in Stein, in Erfüllung gegangen.
Die Gemeinde Wendelsheim, in
dessen Pfarrhaus am 7. Juni 1757 Friedrich Christian Laukhard
geboren wurde, hat ihrem großen Sohn in einer eindrucksvollen
Feierstunde im Sommer 2002 einen Gedenkstein enthüllt.
Friedrich Christian Henrich
Laukhard war das dritte Kind des lutherischen Pfarrers Philipp
Burkhard Laukhard (1722-1789) und seiner Ehefrau Charlotte Dorothea
geb. Dautel (1732-1812), einer Enkelin des Straßburger
Rechtsgelehrten Johannes Schilter
Wendelsheim war im 18.
Jahrhundert ein Dorf in der Pfalz und gehörte zur Rheingrafschaft
Grehweiler. Gebieter war seit 1740 der Rheingraf Carl Magnus
(1718-1793).
Durch seinen Vater, einem
aufgeschlossenen Freigeist und Anhänger der Philosophie Wollfs,
wurde Laukhard früh mit dem Gedanken der Ausklärung vertraut
gemacht. Von ihm erhält er ersten Unterricht und bezieht 1770 das
Gymnasium in Grünstadt. Im Herbst 1774 beginnt er auf Betreiben
seines Vaters ein Theologiestudium auf der Universität in Gießen.
Mitten im studentischen Treiben
stehend und eine führende Rolle im Studentenorden einnehmend, wird
Laukhard stark von den Vorlesungen des Theologen Karl Friedrich
Barhdt (1741-1792 beeinflußt.
Den drei Gießener Jahren
schließt sich ein Studienjahr auf der damals berühmten Universität
Göttingen an, wo er ein ruhiges und intensives Studium absolviert.
1779 kehrt Laukhard in die
Heimat zurück und bewirbt sich um eine Pfarrstelle. Trotz feiner
Studia, die er aufzuweisen hat, findet er wegen seiner vorgehaltenen
Liederlichkeit und seinem Leichtsinn nur schwer eine Anstellung als
Pfarrvikar, zunächst in Udenheim und später in Obersaulheim, wird
aber nach kurzer Zeit wieder vom Amt suspendiert.
Auf Vermittlung von Professor
Johann Salomo Semler (1725-1791), Theologieprofessor in Halle, einem
Studienfreund seines Vaters, tritt Laukhard 1782 eine Stellung im
Waisenhaus in Halle an, promoviert 1783 an der dortigen Universität
zum Magister und habilitiert sich kurz darauf mit einer Dissertation
über italienischen Renaissance-Philosophen Giordano Bruno.
Doch schon zu Weihnachten des
Jahres 1783 faßt er in der wegen seiner Schulden ausweglos
gewordenen Lage den als sensationell empfundenen Entschluß, als
Soldat der preußischen Armee beizutreten.
Während der Soldatenzeit in
Halle lernt er italienisch, unterrichtet in den älteren Sprachen und
liest die lateinischen Klassiker. 1787 macht er die Bekanntschaft
mit dem Buchhändler und Schriftsteller Franz Heinrich Bispink
(1749-1820), der ihm seine Bibliothek zur Verfügung stellt, so daß
Laukhard sich mit der zeitgenössischen Literatur vertraut machen
kann.
1791 beginnt er seine
schriftstellerische Tätigkeit mit “Beiträge und Berichtigungen zu
Herrn D. Karl Friedrich Bahrdt`s Lebensbeschreibung“.
Sein ruhiges Leben in der
Garnison wird 1792 jedoch unterbrochen, da sein Regiment zum Kampf
gegen das revolutionäre Frankreich zieht.
Die Begebenheiten während der
Kampagne in Frankreich, einschließlich der Kanonade von Valmy,
schildert Laukhard sehr ausführlich und mit entlarvender Offenheit
in seiner Autobiographie „Leben und Schicksale“, welche heute als
eines der ersten Antikriegswerke betrachtet wird.
In „Leben und Taten des
Rheingrafen Carl Magnus“, in der auf seine Heimat bezogenen Schrift,
schildert Laukhard 1898 Gegebenheiten und Vorkommnisse am Hof des
despotischen Rheingrafen in Grehweiler.
Laukhard ist von 1804 bis 1811
Pfarrer in der Gemeinde Veitsrodt bei Idar-Oberstein und verfaßt in
dieser Zeit noch zahlreiche Schriften. Danach verlieren sich mehr
und mehr seine Spuren.
Belegt ist, daß er seinen
Lebensabend in Kreuznach verbringt. Dort ist festgehalten, daß der
„nicht unberühmte Haller Dozent und preußische Grenadier“
Privatunterricht in den alten Sprachen für Schüler des dortigen
Gymnasiums erteilt, um seine Lebensunterhalt zu bestreiten.
Laukhard
starb am 29.4.1822 in Kreuznach.