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...im Soldatendienst Preußens

29. Juli 1793 Forst: Der Unsinn des Viktorisierens- "man sollte billig auf den Frieden warten" - "Jetzt schossen wir heute Viktoria und in kurzer Zeit wussten wir vor Angst und Schrecken nicht zu bleiben."

In Forst mussten wir viktorisieren oder das Gewehr einigemal losschießen, weil ein General unsrer Verbündeten einigen Vorteil über den Feind gewonnen hatte. 
Die Siege waren größtenteils unbedeutend und des Pulvers nicht wert. 

Die Franzosen mokierten und erbosten sich allemal darüber und ihre Ehrbegierde wiegelte sie reger gegen uns auf. Bei uns aber erregte es Verdruss und Murren, weil die Soldaten hernach ihre Gewehre für nichts und wieder nichts putzen mussten.

# 28. Juli 1793 Tiefental: Fuß vertreten

Auf dem Marsch von Tiefental nach Forst am 28. Juli hatte ich bei Neuleiningen das Unglück in der stockfinsteren Nacht meinen rechten Fuß zu vertreten und musste daher auf einem Baurnkarren gefahren werden. Ein barmherziger Bruder von Deidesheim gab mir einen guten Spiritus und in drei Tagen war mein Fuß wieder hergestellt.

# 27. Juli 1793 Mainz: Heißes Wetter - nächtlicher Marsch nach Alzey

Den 27. Juli nachmittags brachen wir von Mainz auf, marschierten die Nacht durch und kamen den andern Morgen früh um acht nach Alzey. Es war damals sehr heißes Wetter und daher fand der Herr von Manstein, welcher unsere Kolonne anführte, für gut, uns des nachts gehen und am Tage ruhen zu lassen. Es war nicht sehr dunkel und guter Weg, wie die Wege in der Pfalz überhaupt sind und so war diese Anstalt heilsam und löblich.

# Sommer 1784 Halle: Hauslehrer in Französisch

Herr von Müffling vertraute mir bald nach meiner Annahme bei seiner Kompanie den Unterricht seines ältesten Sohnes, des jetzigen (1792) Herrn Leutnants Friedrich von Müffling, in der französischen Sprache an. Er wusste, dass ich schon damals auf wohlfeilerem Fuß als die gewöhnlichen Sprachmeister unterrichtete und gab mir doch, so sehr ich auch widersprach, eben so viel als einem ordentlich priviligierten Universitäts-Sprachmeister und Lektor gegeben wird...


# Mai 1784 Magdeburg: Erste Revue ..."und da sah ich den großen König zum ersten Mal" ...

Im Mai 1784 machte ich meine erste Revue bei Magdeburg und sah da den großen König zum erstenmal. Sein Anblick erschütterte mich durch und durch: ich hatte nur Auge und Sinn bloß für Ihn! Auf Ihn war ich und alles concentriert! viele tausend Personalien in die einzige umgeschmolzen! Ein Heer, Eine Handlung! – – Mit seinen Taten war ich schon bekannt durch Bücher und Erzählungen. Es ist wahrlich etwas Göttliches, einen großen Mann zu sehen! der Gedanke, dass man zu Ihm gehöre, erhebt zum Olymp hinaus.

# Frühling 1784 Halle: Sturm und Sonnenschein – Vater und Sohn – Soldat und Magister

Mein Vater lag mir, wie billig, gleich vom Anfang meiner neuen Lebensart stark im Sinne. Was wird der ehrliche Alte empfinden und sagen, wenn er erfährt, dass nun alles an dir auf einmal ohne Hoffnung verloren ist? Dieser Gedanke fuhr mir immer durch Kopf und Herz und vergällte mir jeden Augenblick.

Um diese Qual loszuwerden, bat ich den D. Semler schriftlich – denn persönlich wollte ich den ehrwürdigen Mann in meiner Soldatenuniform noch nicht angehen –. er möchte suchen, meinem Vater meinen Schritt zum Soldatenstande auf die glimpflichste Art beizubringen.

# Winter 1783 Halle: Erste Lage bei den Soldaten – Gewehrsachen werden nicht selbst geputzt – exerzieren fällt schwer

Den Studenten aus dem Weg gehen – Quartier bei Zutzeln
Der Hauptmann wollte mich zu Cheminon ins Quartier legen. Allein da Zutzel mir anfänglich nicht übel gefallen hatte und ich bei Cheminon nicht gern sein wollte, weil immer Studenten hin kamen, so bat ich den Herrn von Müffling, mich bei Zutzeln zu lassen. Er wollte mir’s freilich nicht versagen und sagte mir gleich, Zutzel sei ein wunderlicher Mensch und seine Frau sei vollends des Satans. Ich möchte also sehen, wie ich mit ihnen zurecht käme.

# Sonntag, 29. Dezember 1783 Halle: ...und so war mein Herr Soldat fertig.

Sonntags früh wurde ich zum Fürsten geführt. Er bewies mir in Form rechtens, dass ich mich wirklich hätte anwerben lassen und folglich Soldat bleiben müsste. Er sprach mir noch allerhand Trost zu, der aber bei mir nicht anschlug. Zutzel hatte mir den Herrn Fürsten schon den Tag vorher näher beschrieben. 
 
Man legte mir ohne weitere Komplimente den Soldateneid vor und ich Schwur ihn. Und so war mein Herr Soldat fertig. 

Mein Handgeld wollte mir der Hauptmann zwar übergeben, doch stellte er mir vor, dass ich besser täte, wenn ich’s in seinen Händen ließe. Ich würde sonst drum geprellt werden.

# Samstag, 28. Dezember Halle: Und wenn ich nun so meine vorige Lage mit der gegenwärtigen verglich, fand ich diese eben nicht sehr schlimm.

Den folgenden Tag, es war ein Sonnabend, war ich viel ruhiger als den vorigen. Ich konnte über alles, was mir begegnete, gehörig nachdenken. Und wenn ich nun so meine vorige Lage mit der gegenwärtigen verglich, fand ich diese eben nicht sehr schlimm. Mein natürlicher Leichtsinn kam mir hier, wie sonst bei vielen Vorfällen meines Lebens, zustatten. Ich legte alles auf die leichte Achsel. Es wird schon alles noch gut werden, dacht’ ich und wenn’s nicht gut werden will, je nun, am Ende bleibt dir doch das Mittel übrig, welches keinem Menschen entsteht – das Pistol oder der Strick.

# Freitag, 27. Dezember 1783 Halle: Eingekleidet und ins Quartier – Und das alles sah und hörte Laukhard mit vieler Gleichgültigkeit. Wohl ihm, dass er Fassung und Selbstgewalt genug hatte, als ein isolierter Diogenes bei dem allen kalt zu bleiben! Man hatte ihn vorher hier und da degradierend genug dazu behandelt.

Man sollte denken, dass ich früh die Sachen anders als den vorigen Abend angesehn und mich derb über meinen unbesonnenen Schritt werde gekränkt haben. Das war aber nicht so. Meine Stimmung hatte sich nicht geändert und als ich erwachte, freute ich mich noch immer über das, was ich getan hatte. Das Grundgefühl von Rache, die Sehnsucht nach Ruhe, nebst der täuschenden Erwartung der Dinge, die jetzt kommen würden, unterhielten die Spannung meiner Seele und versetzten mich zu sehr außer mir, als dass ich meinen damaligen gegenwärtigen Zustand hätte nach der Wahrheit prüfen und wertigen können.
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