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#September 1792 l'Entré: Drecklager im Regen – Anfang vom Ende

Bisher waren wir in der Wäsche noch ziemlich rein geblieben, aber nun, da sich nicht mehr waschen ließ, da sogar das Leinenzeug im Tornister vermoderte, fanden sich auch sehr unangenehme Tierchen, diese hässliche Plage der Soldaten im Felde, bei uns unerträglich ein. Selbst die Offiziere konnten ihnen nicht mehr entgehen und lernten nun auch erst recht das volle Elend des Kriegs erkennen.

3 Kommentare zu #September 1792 l'Entré: Drecklager im Regen – Anfang vom Ende:

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info@laukhard.de on Sonntag, 22. September 2013 20:26


Wolfgang von Goethe schreibt an Christiane Vulpius

Ich habe Dir schon viele Briefchen geschrieben und weiß nicht, wenn sie nach und nach bei Dir ankommen werden. Ich habe versäumt, die Blätter zu nummeriren, und fange jetzt damit an. Du erfährst wieder, daß ich mich wohl befinde, Du weißt, daß ich Dich herzlich lieb habe. Wärst Du nur jetzt bei mir! Es sind überall große breite Betten, und Du solltest Dich nicht beklagen, wie es manchmal zu Hause geschieht. Ach! mein Liebchen! Es ist nichts besser als beisammen zu sein. Wir wollen es uns immer sagen, wenn wir uns wieder haben. Denke nur! Wir sind so nah an Champagne und finden kein gut Glas Wein. Auf dem Frauenplan solls besser werden, wenn nur erst mein Liebchen Küche und Keller besorgt.
Sei ja ein guter Hausschatz und bereite mir eine hübsche Wohnung. Sorge für das Bübchen und behalte mich lieb. Behalte mich ja lieb! Denn ich bin manchmal in Gedanken eifersüchtig und stelle mir vor: daß Dir ein andrer besser gefallen könnte, weil ich viele Männer hübscher und angenehmer finde als mich selbst. Das mußt Du aber nicht sehen, sondern Du mußt mich für den besten halten, weil ich Dich ganz entsetzlich lieb habe und mir außer Dir nichts gefällt. Ich träume oft von Dir, allerlei confuses Zeug, doch immer daß wir uns lieb haben. Und dabei mag es bleiben.
Bei meiner Mutter hab ich zwei Unterbetten und Küssen von Federn bestellt und noch allerlei gute Sachen. Mache nur, daß unser Häuschen recht ordentlich wird, für das Andre soll schon gesorgt werden. In Paris wirds allerlei geben, in Frankfurt gibts noch ein zweites Judenkrämchen. Heute ist ein Körbchen mit Liqueur abgegangen und ein Päcktchen mit Zuckerwerk. Es soll immer was in die Haushaltung kommen. Behalte mich nur lieb und sei ein treues Kind, das Andre gibt sich. Solang ich Dein Herz nicht hatte, was half mir das Übrige, jetzt da ichs habe, möcht ichs gern behalten. Dafür bin ich auch Dein. Küsse das Kind, grüße Meyern und liebe mich.
Im Lager bei Verdun, den 10. September 1792.
G

Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/3643/1

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info@laukhard.de on Sonntag, 22. September 2013 20:32


Wolfgang von Goethe schreibt an Christian Gottlob Voigt

Daß die Armee nach dem Sprunge von Longwy nach Verdün wieder still steht um sich gleich einer Heuschrecke zu einem neuen Sprunge vorzubereiten wissen Sie und vielleicht ehe Sie diesen Brief erhalten ist der zweyte auch schon gethan. Es ist höchst interessant gegenwärtig zu seyn da wo nichts gleichgültiges geschehen darf. Den Kriegsgang unter einem so großen Feldherrn und die französche Nation zu gleicher Zeit näher kennen zu lernen giebt auch einem müssigen Zuschauer Unterhaltung genug. Aus dem was geschieht zu schließen was geschehen wird und manchmal einen Seitenblick in die Karte zu thun giebt dem Geiste viel Beschäftigung. So viel ist zu sehen daß sich die Unternehmung in die Länge zieht. Das Unternehmen ist immer ungeheuer so groß auch die Mittel sind.
Wir wissen ja wie schweer es sey auch mit vier Kunstzeugen das bißchen Wasser aus der Tiefe zu gewältigen.
Was Sie in unsern Bergwercks Geschäften beschließen hat zum Voraus meinen ganzen Beyfall, möchte ich nun hören daß einmal das Flöz ersuncken ist. Vielleicht trifts in die Epoche unsres Einzugs in Paris.
Dürfte ich Sie wohl um eine freundschaftliche Bemühung in einer häußlichen Angelegenheit bitten. In Franckfurt habe ich gefunden daß ich eine Summe[15] Geldes daher ziehen und in Weimar anlegen könnte. Schon lange hatte ich Lust zu einem Gütchen, besonders zu dem Lobedaischen Griesheimischen. Es stand einmal auf dem Verkauf, die Interessenten haben sich wieder arrangiert. Könnte man nicht erfahren wie die Sache jetzt steht? und ob das Gut um einen leidlichen Preis zu haben wäre? Der Burgemeister Bohl steht wohl am nächsten in Connexion.
Je weiter man in der Welt herumkommt desto mehr sieht man daß der Mensch zur Leibeigenschaft gebohren ist. Auch bin ich jetzt da ich meine Vaterstadt wieder besucht habe aufs lebhafteste überzeugt worden daß dort für mich kein Wohnens und Bleibens ist. Haben Sie die Güte von dieser Sache und diesen Äuserungen niemanden zu sagen.
Eben wird gemeldet daß man morgen wieder marschirt. Die Franzosen stehen ganz nahe, wenn sie halten, so kann viel entschieden werden.
Leben Sie recht wohl. Bleiben Sie mir freundschaftlich gesinnt. Empfehlen Sie mich den Ihrigen. Der Herzog ist sehr wohl und munter. Ich befinde mich auch recht wohl. Jardin Fontaine. vor den Thoren von Verdün.
d. 10. Sept. 1792.

Quelle: http://www.zeno.org/Literatur/M/Goethe,+Johann+Wolfgang/Briefe/1792
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info@laukhard.de on Sonntag, 22. September 2013 20:39


Wolfgang von Goethe schreibt an Christian Friedrich Schnauß

Durchl. der Herzog erhalten Ihren Brief, theuerster und werthester Herr College und Freund, als zum Aufbruch vom Lager bey Verdun zwar nicht geblasen aber doch komandirt wird und befehlen mir wenige Worte, wie es in procinctu möglich ist, sogleich zu antworten weil ein Courier in wenig Stunden abgeht. Unser lieber Fürst, der wohl, munter, rüstig und in seinem militarischen Wesen recht zu Hause ist grüßt Sie herzlich und freut Sich daß Ihre Füße Sie so weit tragen und wünscht daß Sie munter und gutes Muths dem bevorstehenden Jubiläo entgegen gehen mögen. Er schätzt Sie gewiß wie Sie es verdienen und nimmt lebhaften Antheil an Ihrem Wohlbefinden.
Morgen wird man Verdun im Rücken lassen und den Wiederspänstigen näher auf den Leib rucken, um uns sehen wir unzählige weiße Cokarden und viele wenigstens werden mit gutem Willen und mit Freude des Herzens getragen.
Die unsinnigen Auftritte vom 3. Sept. in Paris werden Sie nun auch schon wissen, es wird immer toller und toller, daß zuletzt beyde Partheyen die Mächte segnen werden die ihnen Ruh, es sey um welchen Preis, verschaffen werden.
Was das Reichs Contingent betrifft, so möchten Sie, sagt unser Fürst, nur vorerst ruhig seyn. Die [19] Pindarischen Oden des Grafen Görz möchten wohl unser kaltes und bedächtiges deutsches Reich nicht gleich in Flammen setzen. Es liegen in der Form noch Hindernisse genug die man diesem Andringen entgegen setzen kann.
Es wird Nacht, es regnet und ist eine unfreundliche Zeit für alles, sogar fürs Schreiben an Freunde.
Leben Sie recht wohl. Behalten Sie mich lieb. Empfehlen Sie einen unwürdigen Collegen seinen Gönnern und glauben Sie daß ich mich herzlich freue Sie gesund wieder zu sehen.
Jardin Fontaine vor den Thoren von Verdun d. 10. Sept. 1792.
Goethe

Quelle: http://www.zeno.org/Literatur/M/Goethe,+Johann+Wolfgang/Briefe/1792
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