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#19. September L'Entré: Abmarsch in die nächste stürmisch-kalte Nacht – Krieg den Hütten

Am 19. September mussten wir nachmittags noch spät aufbrechen und vorwärts marschieren bis nachts um 9 Uhr und hernach brachten wir ohne Zelte und beinahe ohne Infantriewachen die Nacht unter freiem Himmel zu,

Sch... auch
Auf dem Weg dahin sagte ein Offizier zum andern: "Höre Bruder, morgen gibt's was! Die Franzosen werden angegriffen und wenn sie nur stehen, so sind sie morgen Abend in unserer Gewalt." – "Sch... auch!" fing ein Soldat aus dem Trupp an, " seht ihr nur zu, dass sie euch nicht kriegen, sie – kriegt ihr gewiss nicht!" Da fing der Offizier an zu fluchen und wollte mit Gewalt wissen, wer so gesprochen hätte, um ihn zu bestrafen. Da aber niemand diesen verriet, so schwur er bei seiner hohen Ehre und dass ihn der Teufel in tausend Fetzen zerreißen sollte, wenn morgen die Spitzbuben nicht alle entweder tot oder gefangen wären!

Der Wind brauste diese Nacht fürchterlich und es war gewaltig kalt. Waldung war dort in der Nähe nicht. Wir liefen also scharenweise in die Dörfer und holten, was wir vorfanden: Stühle, Tische, Bettstellen, Fässer, Türen, Wagen, Karren – kurz, wir schleppten, was von Holz uns in die Hände fiel, ins Lager und machten Feuer wie in der Hölle. 

In den Dörfern selbst wurde Feuer in die Bauernhöfe getragen und man zündete mit Strohfackeln in den Scheunen und Ställen herum. Was vom Vieh noch übrig war, wurde mitgeschleppt und im Lager in Töpfen und Kesseln, die man gleichfalls in den Dörfern gelangt hatte, gekocht und verzehrt. 

Einer unserer Offiziere, der Herr von Massow, wollte dem gräulichen Plündern und Anzünden steuern, aber seine Bemühungen waren fruchtlos. Man stellte ihm vor, dass eben jetzt, den Tag vor einem wahrscheinlichen Angriffe auf den Feind, ein scharfes Verfahren wider die Beutemacher am unrechten Orte sein würde. So dachten alle, denn ich sah die Generale selbst ganz ruhig am Feuer sitzen und den Soldaten, als sie ihre geraubten Hühner usw. zurecht machten, zusehen, ohne ein Wort darüber zu sagen. In solchen Tagen kann man ihnen das auch gar nicht zumuten, ob gleich ich überzeugt bin, dass die wenigsten von ihnen diese Gräuel billigten.

2 Kommentare zu #19. September L'Entré: Abmarsch in die nächste stürmisch-kalte Nacht – Krieg den Hütten:

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info@laukhard.de on Donnerstag, 19. September 2013 22:38
http://de.wikipedia.org/wiki/Kampagne_in_Frankreich Hier ist über Goethes Eindrücke folgendes für jenen Tag folgendes vermerkt (Originaltext Goethe In Anführungszeichen): 19. September nachts Auf dem Marsch nach Valmy findet Goethe einen schönen wohlbestellten Weinkeller. Er nimmt "zwischen die ausgespreizten Finger jeder Hand zwei Flaschen, und zieht sie unter den Mantel". Die deutschen Husaren haben den Franzosen Brotkarren abgenommen und Goethe erhält gegen ein Trinkgeld Weißbrot. "Der Franzos erschrickt vor jeder schwarzen Krume". Der Kanonendonner hält an. "Von jeder Seite wurden an diesem Tage zehntausend Schüsse verschwendet, wobei auf unserer Seite nur zweihundert Mann und auch diese ganz unnütz fielen". Goethe hält manch wilden Anblick fest – "die herumgestreuten Weizenbündel, die darauf hie und da ausgestreckten tödlich Verwundeten und dazwischen noch manchmal eine Kanonenkugel. Der Ton der Kugeln ist wundersam genug, als wär' er zusammengesetzt aus dem Brummen des Kreisels, dem Butteln des Wassers und dem Pfeifen eines Vogels. Bemerkenswert bleibt es indessen, daß jenes gräßlich Bängliche nur durch die Ohren zu uns gebracht wird; denn der Kanonendonner, das Heulen, Pfeifen, Schmettern der Kugeln durch die Luft ist doch eigentlich Ursache an diesen Empfindungen". Eigensinnig, wie Goethe nun mal ist, reitet er allein nach vorn und überschaut die "glückliche Stellung der Franzosen: sie standen amphitheatralisch in größter Ruh und Sicherheit". Einige von Goethes Bekannten – Generalstabsoffiziere kommen vorbei, verwundern sich und wollen Goethe mit nach hinten nehmen. Der todesmutige Dichter lässt sich nicht bereden. Später dann, zurückgekehrt, bevor er sich im Felde eingräbt, sagt Goethe noch seinen berühmten Satz: "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen". Angesichts der Kanonade buddelt sich der Herzog von Weimar ebenfalls an jenem windstillen Plätzchen ein. Ein Oberst weist die Weimarischen darauf hin, dass ihre Stellung für die französischen Kanonen erreichbar ist. Aber man hat sich eingerichtet und bleibt.
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Replik billigsten Ralph Lauren Polo on Samstag, 30. März 2019 17:53
Le Rebes wee le catayst que embo?té le commnity à ecognize les camps.
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