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#20. September 1792 Valmy: ...le jour de gloire...

Auf dem Anmarsch gegen den Feind wurden erst die Gewehre geladen, welche vorher immer kugelleer geblieben waren und während dieses Ladens konnte man die Totenblässe auf mehreren Gesichtern nicht der Soldaten allein, sondern auch der Offiziere deutlich bemerken. Die Ängstlichkeit ging so weit, dass, wer Spielkarten bei sich hatte, sie wegwarf aus Furcht, der liebe Gott möchte nun ihn strafen wegen eines so gottlosen Gerätes als eine Spielkarte ist. 

Unsern König sah ich hier in Begleitung einiger Generale mitten unter den feindlichen Kugeln hinreiten und freute mich ebensosehr über das herrliche Beispiel, welches dieser mutvolle Monarch seinen Soldaten gab, als ich mich über folgendes äußerst dumme und abgeschmackte Gespräch zweier Unteroffiziere ärgerte. Ich will sie A und B nennen. 

A: Siehst du den Alten* dort? 

B: Seh’n wohl. Schau, wie die Kugeln ihm um den Kopf fliegen! 

A: Wenn er nur nicht getroffen wird! 

B: Narr, denkst du denn, dass er das könnte? 

A: Warum nichtß Wenn ihm eine Kugel an den Kopf fährt, ist er weg. 

B: Ah, warum nicht gar! Eine eiserne Kugel trifft den König nicht. 

A: Und wie das? 

B: Schau, Bruder, das will ich dir sagen. Ich bin ein alter Soldat und hab’ den Siebenjährigen Krieg mitgemacht, du kannst mir also glauben, dass Ichs verstehe. Ein gekröntes Haupt wird von keinem Blei oder Eisen getroffen – das fällt weg und wenn der König gerade unter der Batterie dort ritte! 

A: Aber es sind doch schon, wie man so hört, Könige vom Feinde erschossen worden. 

B: Jawohl, Bruder, aber das waren auch andere Kugeln, es waren Kugeln von Silber! Und siehst du, Bruder, wenn die Franzosen unseren Alten treffen wollen, so müssen sie silberne Kartätschen einladen und dann wird er bald weg sein. 

A: Wenn das so ist, dann hat der Alte gut dahinreiten. 

B: Freilich wohl! Zudem haben die Könige von Preußen das Privilegium, dass ihnen weder Hieb noch Schuss schaden kann. Deswegen hat der alte Fritz im Siebenjährigen Krieg oft ganze Hände voll Bleikugeln aus seinen Flicken geholt und die Kanonenkugeln mit dem Hut aufgefangen. 

A: Höre, Bruder, du kannst recht haben! Drum gehen allein die Könige von Preußen wohl auch nur noch ins Feld, sie würden wohl hübsch zu Hause bleiben, wenn sie sich vorm Totschießen fürchten müssten. Dann würden sie’s machen wie der Kaiser in Spanien und die anderen Könige. Die bleiben alle hübsch zu Hause und lassen ihre Leute für sich tot-, krumm- oder lahmschießen. 

Durch solche absurde abergläubische Ideen entkräftet ein solcher Märchentrödler ein Beispiel von Tapferkeit, welches der König seinem Heere gibt und das für sich ganz unwiderstehlich wirken würde.

* In Sachsen und andernwärts spricht man vom Regenten mit komplimentvollern Ausdrücken; da sagt man: der gnädigste Kurfürst, Ihre Durchlaucht der Landraf, Ihre Erzbischöfliche Gnaden usw. Hingegen der Preuße sagt schlechtweg: der Alte und legt auf diese Benennung doch mehr als der Sachse, der Hesse und der Mainzer auf seine prunkvollen Titulaturen.

2 Kommentare zu #20. September 1792 Valmy: ...le jour de gloire...:

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