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#21. September 1792 Valmy: großer Durst – kein Brot – brennende Pappeln – ein armes Dörfchen - nie ein erquickenderer Schlaf

Gegen Tag sorgte der Himmel selbst für Wasser, denn es regnete gewaltig und die Gräben füllten sich. Da aber hätte man die durchnässten, hungrigen und schmutzigen Soldaten hinrennen und trinken oder vielmehr saufen sehen sollen!

Als es Tag wurde, verbreitete sich Angst und Schrecken in der ganzen Armee von neuem: jedermann vermutete, dass nun abermals ein neuer Angriff auf die Franzosen würde gemacht werden. 

Ich für meinen Teil glaubte das nicht und war in dieser Rücksicht ruhig, ob ich es gleich nicht für unmöglich hielt, dass der Feind uns angreifen könnte. Aber die Herren Franzosen postierten sich bloß vorteilhafter und verschanzten sich besser als den Tag vorher.

Jetzt lief, wer laufen konnte und wollte, in die Dörfer und holte Holz, d. i. Türen, Wagen, Fässer, Leitern, Bretter, Tische, Stühle – kurz, was man an Holzwerk finden und fortbringen konnte. Die Bäume, besonders die schönen Pappeln an den Wegen – denn Champagne hat nur wenig Obstbäume – wurden weit und breit niedergehauen, um durch hinlängliche Feuer einem zahlreichen Volke, das in Wind und Wetter unter freiem Himmel stand und noch immer einen Angriff befürchteten, hinlängliche Wärme zu verschaffen.

Dieser Tag war unser Brottag, aber wir hofften vergeblich auf Speise: unsre Brotwagen waren aus Furcht vor den Franzosen zurückgeblieben. Der Hunger quälte uns jedoch nicht so sehr, als die immer währende Furcht uns ängstigte, der Feind möchte uns angreifen.

Gegen Abend stießen die Österreicher zu uns und zündeten ein Dörfchen an, nachdem sie dasselbe erst völlig geplündert hatten. Das arme Dörfchen brannte bald ganz und gar nieder, weil der Wind unaufhörlich brauste.

Gegen sechs Uhr schlugen wir endlich die Zelte auf, erhielte Brot und ruhten nun von den großen Strapazen aus. Ich habe niemals erquickender geschlafen als diese Nacht.



1 Kommentar zu #21. September 1792 Valmy: großer Durst – kein Brot – brennende Pappeln – ein armes Dörfchen - nie ein erquickenderer Schlaf:

RSS-Kommentare
info@laukhard.de on Sonntag, 22. September 2013 01:11
http://de.wikipedia.org/wiki/Kampagne_in_Frankreich Hierzu findet sich in den Bemerkungen Wolfgang von Goethes laut o.g. wiki "21. September: Man hält die Stellung. Das Waldgebirg Argonne ist von Franzosen besetzt. Sogar Trinkwasser fehlt. Diener Paul Goetze schöpft emsig das zusammengeflossene Regenwasser von dem Leder des Reisewagens."
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