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#27. September 1792 Valmy Hans: Geld statt Brot kommt niemals an – Waffenstillstand verschlimmert die Lage – Wilde Männer mit verrosteten Flinten

Als am 27. endlich das Brot ankam – der 25. und 26. war ausgefallen –, so befahl der König, dass die Kompanien dereinst, aber doch bald, die ausgefallenen Brottage den Soldaten bezahlen sollten, oder vielmehr er versprach, sie selbst zu bezahlen.
Aber diese Zahlung blieb aus! Ohne Zweifel hat der gutmütige Monarch, der das Elend seiner Soldaten, welche über 59 Stunden ohne alle Speise sein mussten, wohl selbst fühlte, diesen armen Leuten einen kleinen Ersatz an Geld für diesen Hunger bestimmt. Aber wo das Geld blieb, ist eine andere Frage. Ohne Mühe sieht man ein, dass ein solcher Betrug von der Art unter allen Schurkereien die allerschändlichste, obgleich nicht die ungewöhnlichste ist. 

Das Wetter war die ganze Zeit über, die wir bei Hans im Lager standen, abscheulich: es regnete ohne Unterlass und dabei war es sehr kalt. Alle Tage musste frisches Stroh oder vielmehr ungedroschener Weizen aus den Dörfern geholt werden, wodurch denn alle Dörfer im Umkreise weit und breit leer wurde. Das Wasser lief immer in die Zelte und machte das Lagerstroh zu Mist – also frisches! 

Sollte nach Wasser oder Holz gegangen oder das elende Komissfleisch gekocht werden, so zankte man sich erst eine halbe Stunde in den Zelten herum, wer gehen sollte, an wem die Reihe wäre. Denn das Wasser sowohl als das Holz musste eine gute halbe Stunde vom Lager gelangt werden und bis dorthin musste man bis an die Knie im Kote kneten.  

Waffenstillstand macht alles noch schlimmer… 
Feuer zum Kochen war sehr schwer anzumachen, weil man, nach geschlossnem Waffenstillstande, kein dürres Holz aus den Dörfern mehr nehmen durfte, folglich mit grünen Weiden- und Pappelholz sich behelfen musste. Dieser Umstand machte, dass, als das Brot ankam, die Burschen in zwei Tagen gar kein Kochfeuer machen wollten. 

Wilde Männer mit verrosteten Flinten 
Bei Hans hätte man die Herren Preußen, die sonst so geputzten Preußen, Offiziere und Soldaten, schauen sollen! Die weißen Westen und Hosen waren über und über voll Schmutz und noch obendrein vom Rauche gelb und rußig, die Gamaschen starrten von Kot, die Schuhe waren größtenteils zerfetzt, so dass manche sie mit Weiden zusammenbinden mussten. Die Röcke zeigten allerlei Farben von  weißen, gelben und rotem Lehm, die Hüte hatten keine Form mehr und hingen herab wie die Nachtmützen, endlich die grässlichen Bärte – denn wer dachte da ans Rasieren! – gaben den Burschen das leidige Ansehen wilder Männer. Die Gewehre waren voll Rost und würden gewiss versagt haben, wenn man hätte schießen wollen.

3 Kommentare zu #27. September 1792 Valmy Hans: Geld statt Brot kommt niemals an – Waffenstillstand verschlimmert die Lage – Wilde Männer mit verrosteten Flinten :

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info@laukhard.de on Freitag, 27. September 2013 00:14
Johann Wolfgang von Goethe schreibt an Christiane Vulpius

[Lager bei Hans,] den 27. September 1792.
Dein Briefchen mit dem großen Tintenklecks habe ich erhalten und freue mich, daß es Dir und dem Kleinen wohlgeht, und daß Du im Stillen der Bequemlichkeit und des Guten genießest, wie ich Dir es hinterlassen habe. Ich stelle mir vor, wie Du das Judenkrämchen in Stücken schneidest und verarbeitest. Die schönen Spitzen zerschneide nur nicht, denn es ist eben zu einer schönen Krause gerechnet. Wenn Du ein braver Hausschatz bist, so wirst Du erst Freude haben, wenn ich mit allerlei guten Sachen beladen wiederkomme. Ich hoffe bald wieder in Frankfurt zu sein, und das ist alsdann, als ob ich schon wieder bei Dir wäre. Wir erleben viel Beschwerlichkeiten, besonders leiden wir vom bösen Wetter. Davon werde ich mich in Deinen Armen bald erholt haben. Recht wohl bin ich übrigens und munter. In meinem nächsten Brief kann ich Dir vielleicht mehr sagen. Lebe wohl. Küsse den Kleinen und liebe mich und mache schön Ordnung, wenn Du nun hervorziehst.
Adieu, mein süßes, liebes Kind.
G.

Quelle:http://gutenberg.spiegel.de/buch/3643/1
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info@laukhard.de on Freitag, 27. September 2013 00:24
Zwei weitere Briefe Goethes, datiert auf jenen Tag An Johann Heinrich Meyer


d. 27. Sept.
Ihr Blättchen, l. Meyer, vom 7. Sept. habe ich erst gestern erhalten und in dieser Zeit werden die Tüncher wohl vorgerückt seyn. Ich freue mich daß das Camin wohl gerathen ist, denn es ist ein Hauptstück und da wir keine edle Steine haben so ist die Form desto wichtiger.
Genießen Sie der Ruhe indeß ich leider mitten in der Unruhe stecke und wünschen Sie mit mir daß es bald vorübergehen möge. Wir stehen nicht weit von Chaalons das wir vielleicht nie sehen werden.


An Carl Ludwig von Knebel

Dein Brief hat mich recht erfreut und ich eile dir nur ein Wort zu sagen da gleich wieder eine Gelegenheit geht. In diesen vier Wochen habe ich manches erfahren und dieses Musterstück von Feldzug giebt mir auf viele Zeit zu dencken. Es ist mir sehr lieb daß ich das alles mit Augen gesehen habe und daß ich, wenn von dieser wichtigen Epoche die Rede ist sagen kann:
et quorum pars minima fui.
Wir sind in einer sonderbaren Lage. Nach der Einnahme von Verdun fand man daß die Franzosen die Foret d'Argonne besetzt und den Paß von Clermont auf Ste Menehould verrannt hatten. Man suchte sie zu tourniren und mit Hülfe des General Clairfait vertrieb man sie von dem Posten von Grandpre, die ganze Armee ging über diesen Ort und setzte sich zwischen S. Menehould und Chalons. Als man den Feind zu Gesicht bekam ging eine gewaltige Canonade los, es war am 20ten, und da man endlich genug hatte war alles still und ist nun schon 7 Tage still. Sogar die Vorposten schießen nicht mehr. Die Franzoßen stehen ohngefähr wie vorher und von uns kann man nur über Grandpre nach Verdün gelangen. Entsetzliches Wetter, Mangel an Brod das langsam nachkommt machen diesen Stillstand noch verdrießlicher. Man fängt an den Feind für etwas zu halten den man bißhierher verachtete und (wie es zu gehen pflegt bey solchen Übergängen) für mehr zu halten als recht ist.
In kurzem wird sich zeigen was man beschließt. Es sind nur wenig Wege aus dieser Lage zu kommen.
Der Herzog ist recht wohl, ich bin es auch, ob ich gleich täglich etwas von meinem Fette zusetze, wie meine Vesten und Röcke zeugen. Ich bin nach meiner Art im Stillen fleißig und dencke mir manches aus; in Opticis habe ich einige schöne Vorschritte gethan. Ich lese französche Schriftsteller die ich sonst nie würde gesehen haben und so nütze ich die Zeit so gut ich kann. Wäre es gut Wetter so wäre alles anders und man könnte manches versuchen und mehr Menschen sehen. So aber mag man Tage lang nicht aus dem Zelte. Die Gegend ist abscheulich.
Behalte mich lieb. Empfiel mich den Durchl. Herzoginnen und allen Freunden. Es freut mich sehr zu hören daß Herder wohl ist, um wenige Tage hätte ich ihn in Franckfurt gesehen. Ich wünsche sehr bald wieder bey euch zu seyn, da aber unser Weg sehr parabolisch ist läßt sich die Bahn schwer berechnen.
Indessen mag meine Wohnung fertig werden und, wie sie Meyer einrichtet, ein Plätzgen werden wo meine Freunde gern zusammen kommen. Lebe wohl. Liebe mich. Im Lager bey Hans d. 27. Sept. 1792.

Inliegendes bitte an Durchl. die Herzoginn Mutter sodann an Prinz August zu befördern.
G.

Quelle: http://www.zeno.org/Literatur/M/Goethe,+Johann+Wolfgang/Briefe/1792
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replica tag heuer watches on Freitag, 29. März 2019 20:02
The word for Arts literally means skills.
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