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# Frankreich im Herbst 1792: Wieviel lasterhafte Menschen und wieviel Elende und Unglückliche hat der jetzige Krieg gegen die Franzosen nicht schon gemacht!

Und doch ist der Krieg selbst, laut aller Bücher über theologische und philosophische Moral – von Hugo Grotius bis auf Göchhausens hochadelige Schriften, kein Laster für sich, ja er muss wohl noch eine edle Handlung sein nach den hohen und vielen Lobsprüchen, die wir in unsern Dediktoren, Gedichten und Predigten auf die Helden antreffen. 

Die Laster und das Elend, welches der Krieg mit sich bringt, sind freilich Akzidenzen, wie die Herren Jerusalem, Herder, Eselin und andere große Männer sprechen. 

Aber es sind doch Akzidenzen, welche aus dem Wesen des Kriegs selbst fließen, folglich davon unzertrennlich sind. Da nun der Krieg nicht nur nicht unerlaubt, sondern sogar in gewissen Fällen Pflicht ist (nach Grotius und Pufendorf), so muss man oft aus Pflicht etwas unternehmen, wovon Elend und Laster unzertrennlich sind, ja, wodurch beide vermehrt und da, wo sie noch nicht sind, notwendig erzeugt werden. 

Folglich hat die Natur oder das, was sonst diese gegenwärtige Einrichtung der Dinge gemacht hat, sehr übel für das menschliche Geschlecht gesorgt, indem sie uns Pflichten auferlegt, deren Erfüllung Elend Laster verbreitet und uns zur Erfüllung andrer Pflichten und zum Genuss der gemeinschaftlichen Güter unfähig macht. Das sind freilich abscheuliche Wahrheiten, aber es sind doch Wahrheiten, welche sich leider bei der Betrachtung solcher abscheulichen Gegenstände, wie der Krieg ist, von selbst aufdrängen.

Ich will sie nicht weiter ausführen und wünsche allen meinen Lesern, dass sie durch eigne Erfahrung nie davon mögen überzeugt werden. Kants philosophischer Entwurf zum Ewigen Frieden wäre freilich das beste Präservativ dawider, aber dieser philosophische Erlöser der Welt prediget jetzt noch in der Wüste.

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