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# 8. Oktober 1792 Conconvoix: Plündern im eigentlich nicht mehr Feindesland – Beim Plündern menschlich sein?

Den 8. Oktober musste der Befehl gegeben werden, die Dörfer in der Gegend auszuplündern. Viele unserer Leute glaubten, das sei die Folge eines geringen Angriffs der Franzosen auf die Österreicher und meinten, dass man auf diese Art jenes Unrecht (man denke doch!) durch Plünderung der armen Bauern rächen wollte. Allein dieser Gedanke war falsch, denn bloß der große Mangel an Nahrung für Menschen und Vieh und besonders für das Hauptquartier nötigte den Herzog von Braunschweig, diesen sonst menschenfreundlich denkenden Fürsten, die Ausplünderung von etwa neun Dörfern zu befehlen, welche auch durch mehrere Bataillons Infanterie und Husaren ausgeführt wurde.

Beim Plündern menschlich sein?
Der Herzog hatte zwar befohlen, dass man strenge Manneszucht halten und beim Plündern niemand beleidigen sollte. Aber man bedenke, ob ein solcher Befehl wohl als zur rechten Zeit gegeben angesehen werden könne? Einem Soldaten welcher plündern soll, welcher in Feindes Landen zu sein glaubt, welcher seit zwei Monaten alles Elend ausgestanden hat und darum vor lauter Erbitterung grollsinnig einherschleicht, dem will man befehlen, beim Plündern menschlich sein? 

Vermeindliche Freude wüten fürchterlich
Aber die Herren waren es auch nicht im geringsten: die Pferde, Ochsen, Schweine, Hühner, Gänse, kurz alles, was man nur von Vieh finden konnte, sogar Hunde, trieb man zusammen. Dann nahm man aus den Dörfern, was nur noch zu nehmen war, besonders den ungedroschenen Weizen für die Pferde – und prügelte die Bauern und die Weiber, welche noch nicht entflohen waren gar jämmerlich. 

Es waren aber zu der Zeit wenige noch entflohen, weil sie glaubten, die Preußen und ihre Nation habe einen friedlichen Traktat abgeschlossen und erstere zögen jetzt als ihre Freunde zurück. Man hat für gewiss versichert, dass bei dieser Plünderung mehrere Bauern totgeschlagen oder totgehauen seien und ich mag dieses gar nicht in Zweifel ziehen: ich weiß, wie sehr unser Volk litt und wie sehr es eben darum gegen die Franzosen, die ein großer Teil noch immer als die Ursache alles ihres Unglücks ansah, aufgebracht war. 

Alle Furage, alles Gemüse usw. wurde am Hauptquartier zu Conconvoix in Empfang genommen. Darüber entstand ein gräuliches Murren, besonders unter den Husaren, welche nun nichts für ihre Pferde zu füttern hatten. Dieses Murren legte sich, als man versprach, sie am nächsten Tag wieder plündern zu lassen.

Seltsame Rückgabemethode… 
Es war wirklich sonderbar anzusehen, wenn ein Bauer, dem sein Pferd oder seine Ochsen, Kühe usw genommen waren, ins Lager kam und sich beschwerte. Man befahl ihm, das entwendete Stück Vieh aufzusuchen, führte ihn aber nicht dahin, wo er es hätte treffen können –  und traf er es ungefähr, so schwor gleich ein Husar oder sonst jemand Stein und Bein zusammen, dass sich der Bauer irrte. Und dann musste dieser abfahren, auch wohl – wenn er sich nicht gleich fügte – noch eine Tracht Hiebe mit nach Hause nehmen.

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