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# Frühling 1784 Halle: Sturm und Sonnenschein – Vater und Sohn – Soldat und Magister

Mein Vater lag mir, wie billig, gleich vom Anfang meiner neuen Lebensart stark im Sinne. Was wird der ehrliche Alte empfinden und sagen, wenn er erfährt, dass nun alles an dir auf einmal ohne Hoffnung verloren ist? Dieser Gedanke fuhr mir immer durch Kopf und Herz und vergällte mir jeden Augenblick.

Um diese Qual loszuwerden, bat ich den D. Semler schriftlich – denn persönlich wollte ich den ehrwürdigen Mann in meiner Soldatenuniform noch nicht angehen –. er möchte suchen, meinem Vater meinen Schritt zum Soldatenstande auf die glimpflichste Art beizubringen. Der gute Mann antwortete mir, das sei schon geschehen. Er hoffe, mein Vater würde mich mehr bedauern als über mich zürnen. Der Hauptmann hatte auch schon geschrieben. Allein lange erschien keine Antwort.

Endlich kam ein Brief von meinem Vater an den Herrn von Müffling in sehr gemäßigtem und gesetzten Ton. Er kenne, so schrieb er, das menschliche Herz und mein Schritt käme ihm, da er meine Sitten, meine Denkungsart und meinen Leichtsinn auch kenne, gar nicht fremde vor. Er vergebe mir von Herzen meine Verirrungen, sogar den letzen, desperaten Schritt, so sehr er ihn sonst schmerzte. "Ich wünsche", fuhr er fort, "einen recht langen Brief von meinem Sohn zu lesen und bitte Ew. Wohlgeboren, ihn denselben in Ihrer Gegenwart oder in Gegenwart eines anderen braven Mannes schreiben zu lassen, damit er gerade so schreibe, wie es ihm ums Herz ist, ohne lange herumsinnen und künsteln zu können. Ich möchte gern aus diesem Briefe sehen, wie er jetzt so denkt." – Ich schrieb diesem gemäß in der Stube des Herrn v. Müffling an meinen Vater und dieser Brief besänftigte ihn so, dass alle seine folgenden Briefe an mich, an den Hauptmann und an den D. Semler auch nicht die geringste Spur von Vorwürfen oder Unwillen enthielten.

Die erste Exerzierzeit* ist mir, wie jedem Soldaten, beschwerlich gefallen. Allein ich überstand sie und die folgenden Exerzierzeiten sind mir immer leichter geworden. Es fiel mir oft der Gedanke dabei ein, ob die Verdammten in der Hölle, welche doch nach der erbaulichen Lehre der orthodoxen Buchstabenkirche ewig gepeinigt werden sollen, nicht endlich allen Sinn für Qual und Angst und Not verlieren und alle Feuer und Schwefelpfühle, alle Haken des Satans und dergleichen nicht endlich für Kleinigkeiten halten werden. Die Gewohnheit vermag doch gewaltig viel!

Ich hatte einige Studenten im Lateinischen und Französischen. Meine ersten Scholaren waren Herr Salpius aus der Mark, Herr Böhm, jetzt Doktor der Medizin in Berlin und Herr Gassel aus Westfalen. Wenn einige, welche zu unterrichten ich die Ehre gehabt habe, ihre Namen in meinem Buche nicht finden, so können sie versichert sein, dass dies nicht daher rühre, weil ich sie vergessen hätte oder es für zu gering hielte, sie zu nennen – ich verehre vielmehr jeden, der zugleich mein Freund war und das sehr aufrichtig –, sondern weil ich befürchte, manchem Leser Langeweile zu machen, wenn ich da ein großes Namensregister anführen wollte, wobei ich doch weiter nichts zu sagen hätte als: dem gab ich Stunden im Lateinischen, Italienischen, Französischen, mit dem las ich den Livius, diesen lehrte ich dies, jenen jenes.

*Die Exerzierzeit ist die Zeit, wo das vorläufige Regiment wöchentlich fünfmal auf dem Felde exerziert wird. Unter Friedrich II. Regierung dauerte sie gewöhnlich zwei Monate. Der jetzige König hat sie abgekürzt...

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