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Begebenheiten nach der Kanonade bei Valmy

#29. September 1792 bei Valmy: Gefährliche Lage – Diplomatischer Erfolg – Anfang vom Ende

Der General von Manstein, ein kluger, erfahrener Mann, fühlte schon im voraus die traurigen Folgen auf jede glimpfliche Art zu besänftigen, allein Dumoriez blieb unerbittlich, bis endlich der Herr Graf von Kalckreuth nach seiner ihm ganz eignen Klugheit durch seine überzeugende und gewandte Beredsamkeit bei Dumouriez und den übrigen fränkischen Heerführern so viel bewirkte, dass man Preußen – abziehen ließ. 

Es stand wahrlich bei den französischen Generalen, ob sie die Preußen abziehen lassen oder ob sie dieselben gefangen nehmen wollten.

28. September 1792 Valmy Hans: unbegreiflich – Preußische Kriegserklärung

Es ist ganz gewiss, dass derHerzog von Braunschweignotgedrungen den ersten Vorschlag um Waffenstillstand getan hat. Dumouriez nahm diesen Vorschlag aus Gefälligkeit gegen uns an und hatte, wie mich dünkt, hinlängliche Ursache dazu. Er konnte nämlich hoffen, dass der König von Preußen Friede mit den Franzosen machen würde und so hatte die Republik – denn Frankreich war damals schon eine – einen mächtigen Feind vom Halse. 
 
Friedensangebot
In dieser Absicht schickte er eine Erklärung ins preußische Lager, worin er mit den besten Gründen und starker männlicher Beredsamkeit die Vorteile darlegte, welche Preußen aus dem Frieden mit Frankreich ziehen konnte.

#27. September 1792 Valmy Hans: Geld statt Brot kommt niemals an – Waffenstillstand verschlimmert die Lage – Wilde Männer mit verrosteten Flinten

Als am 27. endlich das Brot ankam – der 25. und 26. war ausgefallen –, so befahl der König, dass die Kompanien dereinst, aber doch bald, die ausgefallenen Brottage den Soldaten bezahlen sollten, oder vielmehr er versprach, sie selbst zu bezahlen.
Aber diese Zahlung blieb aus! Ohne Zweifel hat der gutmütige Monarch, der das Elend seiner Soldaten, welche über 59 Stunden ohne alle Speise sein mussten, wohl selbst fühlte, diesen armen Leuten einen kleinen Ersatz an Geld für diesen Hunger bestimmt.

#Ende September 1792 Valmy Hans: Frisches Obst für den König

Selbst im königlichen Hauptquartier zu Hans war Mangel über Mangel: auch da war kein Brot und an Leckerspeisen war vollends gar nicht zu denken. Dieser Mangel  ward indes dem französischen Generale bekannt, welcher dann frisches Obst und andre Dinge ins Hauptquartier schickte, um wenigstens den König von Preußen, seinen Feind, und dessen hohe Generalität vor Hunger zu sichern. 

Dieser Zug von Edelmut vermehrte bei unsern Soldaten die gute Idee, welche sie seit der Kanonade von den Franzosen schon hatten. Von nun an hörte man auch allgemein auf, sie Spitzbuben, Racker, dumme Jungen und dergleichen zu schelten.

#Ende September 1792 Valmy Hans: Camouflage? – Kreide fressen?

Am allerlächerlichsten war der Parolebefehl wegen der Kreide. In Champagne gibt es es ihrer viel und nachdem man auf einem Hügel recht schöne entdeckt hatte, mussten die Leute hin, sie auszugraben. Und nun wurde befohlen, dass man diese Kreide unter den Soldaten verteilen sollte mit dem Zusatz: 

Seine Majestät schenke diese Kreide den Soldaten! In Champagne. Dort bei Hans, war freilich der Ort, wo man Hosen und Westen weißen sollte! Ja, wenn nur der Herr Jesus da gewesen wäre und aus Kreide hätte Brot machen wollen.

#Ende Speptemer 1792 Valmy Hans: Ein unausfürbarer Befehl

Es wurde bei der Parole – man denke doch an die Fürsorge! – befohlen, Weizen zu dreschen, ihn bis zum Zerplatzen zu sieden, mit Butter und Speck zu schmälzen und dann zu essen. Das war nun so ein Stück von Parolebefehl, deren es in der Art mehrere gab – ein unausführbarer Befehl! 

Weizen ist zwar noch in den Dörfern, aber wo sollte man den dreschen? Der Kot war knietief, und da drischt es sich gar übel! Und woher sollte man Speck, Butter und Salz nehmen, welches alles in der ganzen Armee nicht zu haben war?

#23. September 1792 bei Valmy: Verlagerung – Plünderungen – trotzdem Hunger

Am dritten Tag nach der Kanonade änderten wir die Stellung unseres Lagers.

Als der Brottag wieder kam, war kein Brot da. Man gab vor, die Wagen könnten nicht vorwärts wegen des entsetzlichen Kotes und da wir den Weg, welchen die Wagen von Grandpré kommen mussten, sehr wohl kannten, so beruhigten sich die Leute.

Die wahre Ursache war aber, dass die Franzosen viele Wagen weggenommen hatten und die andern sich nun nicht getrauten vorwärts zu fahren und also liegen blieben. Man hatte zwar in den umliegenden Dörfern alles ausgeplündert und daselbst allerlei Esswaren noch vorgefunden, allein das war doch für eine solche Menge wie nichts. Wenige hatten etwas erhascht und die meisten hatten gar nichts.

#22. September 1792 Valmy: "Menschen sind doch keine Fürsten-Nieten"

Lutze versorgte unser Zelt am andern Tage mit guten Viktalien, und so waren wir in unserm Zelte, während die meisten andern weiter nichts hatten als ihr bissel Komissbrot, auf einige Tage geborgen. Ich muss es nochmals wiederholen, dass ich dem braven Lutze manche Sättigung verdankte, wo die übrigen, sogar die Offiziere, hungern mussten.

Unser Verlust an Toten und Blessierten belief sich auf 166 Mann, freilich ein ganz geringer Verlust bei einer vierstündigen Kanonade, aber allemal groß genug bei einer Kanonade, welche nach dem Zeugnis aller verständigen Kriegsmänner ganz ohne alle Hoffnung eines Sieges oder reellen Vorteils unternommen war.
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