Firmenname - Friedrich Christian Laukhard
Mein Blog

Jämmerlicher Abzug aus Frankreich

# Ende Oktober 1792 im Grenzland: Meuterische Reden – Schuhmacher machtlos

Es war schon, ehe wir die Standquartiere verließen, befohlen worden, dass man besonders für gutes Schuhwerk der Soldaten sorgen und hinlänglich dazu mitnehmen sollte, um die abgehenden gleich wieder ersetzen zu können. Aber unsre Herren hatten so für sich auskalkuliert, dass der ganze Krieg wohl nur ein Vierteljahr dauern könnte, und waren eben darum auch in Befolgung dieses Befehls sehr nachlässig gewesen. Die Folgen der Nachlässigkeit in einem so äußerst wichtigen Punkte zeigen sich bald.

# 21. Oktober 1792 Longwy: Abzug aus Frankreich – Fazit: "...nicht nur eine gefährliche Sache, den Krieg mit einem frei gewordenen Volke fortzusetzen, sondern es ist auch selbst für das Interesse der Könige eine höchst absurde, zweckwidrige Sache."

Sonntags, den 21. Oktober, verließen wir das Lager bei Longwy und marschierten aus dem französischen Gebiete ab.
 
Ehe ich dieses Kapitel schließe, (so bemerkt Laukhard im Rückblick 1796, dem Erscheinungsjahr dieses Bandes seiner Lebenserinnerungen)  will ich den Leser noch auf eine Bemerkung aufmerksam machen – und die ist – dass gerade zu der Zeit, als die verbündete Armee ihre Operationen gegen Frankreich betrieb, die französische Nation ihre monarchistische Staatsform in eine republikanische veränderte und dass eben diese Veränderung im Manifeste des Herzogs von Braunschweig und in dem Anfall der deutschen Armee auf Frankreich ihren Grund gehabt hat, dass folglich eben die Mittel, welche dienen sollten, dem Könige, Ludwig XVI.

# 20. Oktober 1792 Longwy: "...zum erstmal wieder gehörig gegessen und gelabt!"

Am 20. war Ruhetag und wir erhielten aus dem Magazin von Longwy Fleisch, Wein, Branntwein und Zwieback. Das war denn wieder zum erstmal gehörig gegessen und gelabt! 

Hier wurden auch die Soldaten wieder munter, denn nun hieß es: noch einen Marsch und wir sind aus Frankreich! Die guten Leute bildeten sich ein,dass, wenn sie nur aus Frankreich wären, alles Elend gleich ein Ende haben würde und bedachten nicht, dass der Same zu unbeschreiblichem Unglück, welches in der Folge auf unser liebes Vaterland fallen musste, schon ausgestreut war und schon Keime gewonnen hatte.

# 19. Oktober 1792 Lonwy: "...vielleicht zittern wir bald vor denen, die sonst vor uns zitterten...Wird einst Frankreich einen Alexander haben, so ist Deutschland seine Eroberung!"

Gegen Nacht kamen wir endlich müde und hungrig bei Longwy an. Ich hatte hier so meine eignen Betachtungen, welche ich meinen Kameraden mitteilte. 

„Heute“, sagte ich, „ist der 19. Oktober. Am 23. August haben wir Longwy in Besitz genommen und hofften damals, so leicht wie Longwy ganz Frankreich zu erobern, und schon jetzt müssen wir Longwy zurückgeben und haben Spott und Schande und unersetzlichen Schaden von unserm Einmarsch in Frankreich! So sehr hat sich unser Stolz und Manifesten-Anspruch in acht Wochen demütigen müssen! Ich bedaure hierbei keinen mehr als unsern gutmütigen König wegen der vielen Opfer, die er an Geld, Menschen und Vieh den Emigrierten gebracht hat, nicht nur ohne Nutzen für jetzt, sondern auch mit wer weiß wie noch langem Verlust für die Zukunft. Ach, Preußens Ehre geht mir nahe und vielleicht zittern wir bald vor denen, die sonst vor uns zitterten!“

# 17. Oktober 1792 Chatillon: Bauern greifen zu den Waffen – "payeront de leurs tetes nos vaches et nos oignons!!"

Verdun wurde indessen am 14. Oktober dem General Kellermann von uns wieder übergeben... 

Hier standen wir nun bis den 17. ohne Zelte, weil die Bagage unmöglich hatte vorwärts können. Kaum waren einige elende Zelte für den König und die Prinzen aufzubringen. Es regnete diese ganze Zeit über erbärmlich und unsre Armee befand sich in den kläglichsten Umständen. Die hohen Eichbäume wurden abgesägt, gespalten und verbrannt. Die Feuer waren zwar auch hier höllisch groß, doch kaum hinlänglich uns zu erwärmen.

# 13. Oktober 1792 Stenay: ...noch schrecklicherer Marsch

Am 13. Oktober war ein noch schrecklicherer Marsch. Wir konnten in einer Stunde 200 Schritte vorwärts kommen, so ganz abscheulich war der Weg und so sehr hielt uns die Artillerie und Bagage auf. 

Als wir bis auf den Abend gegangen oder vielmehr gekrochen waren, erreichten wir endlich die Stelle, wo wir lagern sollten. Aber kaum hatten wir abgelegt, als wir sofort Order bekamen, vorwärts zu marschieren. Der General Hohenlohe hatte seinen Abmarsch von  Stenay  verfrüht und dadurch unsre rechte Flanke entblößt.

# 2. Oktoberwoche 1792 Laurraine: Haubitzengräber...

Um diese Zeit fing man auch an, die Munitionswagen zu verbrennen und die Kanonen einzugraben. Viele unsrer Offiziere haben vor übertriebener Ehrerbietung dieses zwar nirgend gern eingestanden und ich habe selbst einige dreist behaupten hören, dass die Preußen niemals Kanonen eingegraben hätten und dass es eine Lästerung sei, ihnen dergleichenn Schuld zu geben. 

Aber dieser Einrede ungeachtet muss ich hier bekennen – und jeder Augenzeuge wird es mit mir bekennen – dass diese Sage ihre Richtigkeit hat.

# 10. Oktober 1792 Laurmont: Schlafen ohne Stroh im Schlamm

Am 10. kamen wir bei Laurmont ins Lager, aber man konnte hier kein Stroh bekommen, uns drauf zu legen. Die Dörfer waren schon vorher durch Kavallerie von allem Stroh beraubt worden. Wir mussten daher auf der bloßen nassen Erde in den Zelten herumliegen und da es noch obendrein die Nacht stark regnete und das Wasser auch hier wieder in unsere Zelte eindrang, so brachten wir abermals eine ganz abscheuliche Nacht hier zu.

# 9. Oktober 1992 Conconvoix: Für Pferde durfte man damals kein Mitleid haben, man konnte es nicht mal für Menschen!

Vom 6. Oktober an marschierten wir einige Tage hintereinander, oder vielmehr wir wateten durch Wasser und Kot bis auf den 9. Oktober. Wegen der gewaltigen Wege und des beinahe immer anhaltenden Regens konnte man nur ganz kleine Märsche von drei, vier, höchstens fünf Stunden machen, und doch brach man jedesmal mit dem Tage, oft auch noch vor Tage auf und marschierte bis zur sinkenden Nacht. Kamen wir dann endlich an den Ort, wo das Lager sein sollte, so wurden die Zelte aufgestellt – freilich nicht so wie bei der Revue zu Magdeburg oder zu Berlin, sondern wie man nur konnte.

# 8. Oktober 1792 Conconvoix: Plündern im eigentlich nicht mehr Feindesland – Beim Plündern menschlich sein?

Den 8. Oktober musste der Befehl gegeben werden, die Dörfer in der Gegend auszuplündern. Viele unserer Leute glaubten, das sei die Folge eines geringen Angriffs der Franzosen auf die Österreicher und meinten, dass man auf diese Art jenes Unrecht (man denke doch!) durch Plünderung der armen Bauern rächen wollte. Allein dieser Gedanke war falsch, denn bloß der große Mangel an Nahrung für Menschen und Vieh und besonders für das Hauptquartier nötigte den Herzog von Braunschweig, diesen sonst menschenfreundlich denkenden Fürsten, die Ausplünderung von etwa neun Dörfern zu befehlen, welche auch durch mehrere Bataillons Infanterie und Husaren ausgeführt wurde.
RSS

Geliefert von FeedBurner


Letzte Einträge

29. Juli 1793 Forst: Der Unsinn des Viktorisierens- "man sollte billig auf den Frieden warten" - "Jetzt schossen wir heute Viktoria und in kurzer Zeit wussten wir vor Angst und Schrecken nicht zu bleiben."
# 28. Juli 1793 Tiefental: Fuß vertreten
# 27. Juli 1793 Mainz: Heißes Wetter - nächtlicher Marsch nach Alzey
# 23. Juli 1793 Mainz: Mainzer Republik war gestern
# 17. Juni 1793 Bischofsheim: Belagerung von Mainz geht weiter - Mordgrube auf der rechten Rheinseite - Deutsche und Franzosen im Schimpf-Dialog - "...und nannten sich zuletzt gar Kamerad und Bruder"

Kategorien

...im Soldatendienst Preußens
Begebenheiten nach der Kanonade bei Valmy
Bild der Zeiten
Der Krieg geht weiter...
Jämmerlicher Abzug aus Frankreich
Kampf um Mainz
Krieg den Hütten...
Magister Laukhard
Nie wieder Krieg!
Studentenleben
Szenische Lesung
Was vor der Belagerung von Mainz vorging
erstellt von

Homepage
zur Verfügung gestellt
von Vistaprint