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Krieg den Hütten...

# 8. Oktober 1792 Conconvoix: Plündern im eigentlich nicht mehr Feindesland – Beim Plündern menschlich sein?

Den 8. Oktober musste der Befehl gegeben werden, die Dörfer in der Gegend auszuplündern. Viele unserer Leute glaubten, das sei die Folge eines geringen Angriffs der Franzosen auf die Österreicher und meinten, dass man auf diese Art jenes Unrecht (man denke doch!) durch Plünderung der armen Bauern rächen wollte. Allein dieser Gedanke war falsch, denn bloß der große Mangel an Nahrung für Menschen und Vieh und besonders für das Hauptquartier nötigte den Herzog von Braunschweig, diesen sonst menschenfreundlich denkenden Fürsten, die Ausplünderung von etwa neun Dörfern zu befehlen, welche auch durch mehrere Bataillons Infanterie und Husaren ausgeführt wurde.

#21. September 1792 Valmy: großer Durst – kein Brot – brennende Pappeln – ein armes Dörfchen - nie ein erquickenderer Schlaf

Gegen Tag sorgte der Himmel selbst für Wasser, denn es regnete gewaltig und die Gräben füllten sich. Da aber hätte man die durchnässten, hungrigen und schmutzigen Soldaten hinrennen und trinken oder vielmehr saufen sehen sollen!

Als es Tag wurde, verbreitete sich Angst und Schrecken in der ganzen Armee von neuem: jedermann vermutete, dass nun abermals ein neuer Angriff auf die Franzosen würde gemacht werden. 

Ich für meinen Teil glaubte das nicht und war in dieser Rücksicht ruhig, ob ich es gleich nicht für unmöglich hielt, dass der Feind uns angreifen könnte.

#20. September 1792 Valmy: ...le jour de gloire...

Auf dem Anmarsch gegen den Feind wurden erst die Gewehre geladen, welche vorher immer kugelleer geblieben waren und während dieses Ladens konnte man die Totenblässe auf mehreren Gesichtern nicht der Soldaten allein, sondern auch der Offiziere deutlich bemerken. Die Ängstlichkeit ging so weit, dass, wer Spielkarten bei sich hatte, sie wegwarf aus Furcht, der liebe Gott möchte nun ihn strafen wegen eines so gottlosen Gerätes als eine Spielkarte ist. 

Unsern König sah ich hier in Begleitung einiger Generale mitten unter den feindlichen Kugeln hinreiten und freute mich ebensosehr über das herrliche Beispiel, welches dieser mutvolle Monarch seinen Soldaten gab, als ich mich über folgendes äußerst dumme und abgeschmackte Gespräch zweier Unteroffiziere ärgerte.

#20. September 1792 Marsch auf Dampierre: Brennende Dörfer – Strömender Regen:

Sobald der Tag anbrach wurde abmarschiert. Es hatte erst geschienen, als wenn das Wetter sich halten würde, aber gegen 7 Uhr fing es heftig an zu regnen und wir wurden bis auf die Haut  nass.

Mehrere Dörfer sind in dieser garstigen Nacht durch den Brand sehr beschädigt worden – und eins derselben stand noch in vollen Flammen, als wir den anderen Morgen um 9 Uhr  vorbeimarschierten.Vorfälle dieser Art, welche unserm Militär eben keine Ehre machen, berichte ich sehr ungern, aber ich muss einmal schreiben, was ich gesehen habe – und dann sollen meine Berichte auch zum Einschärfen des wichtigen Satzes dienen, dass man von Menschen nicht mehr erwarten müsse als sie nach ihrer Lage leisten können, dass man folglich billige Urteile fällen müsse von Freund und vom Feind.

#19. September L'Entré: Abmarsch in die nächste stürmisch-kalte Nacht – Krieg den Hütten

Am 19. September mussten wir nachmittags noch spät aufbrechen und vorwärts marschieren bis nachts um 9 Uhr und hernach brachten wir ohne Zelte und beinahe ohne Infantriewachen die Nacht unter freiem Himmel zu,

Sch... auch
Auf dem Weg dahin sagte ein Offizier zum andern: "Höre Bruder, morgen gibt's was! Die Franzosen werden angegriffen und wenn sie nur stehen, so sind sie morgen Abend in unserer Gewalt." – "Sch... auch!" fing ein Soldat aus dem Trupp an, " seht ihr nur zu, dass sie euch nicht kriegen, sie – kriegt ihr gewiss nicht!

#September 1792: Abmarsch am Rand aller Kräfte

Aus dem Sumpflager hatten wir ungefähr noch sechzehn Stunden nach La Lune, wobei die bekannte Kanonade vorfiel, jene nämlich, welche das Ziel unsrer Heldentaten in Frankreich gewesen ist; denn nach dieser Zeit bis auf unseren Separatfrieden ist gegen die Franzosen auf französischen Boden von uns beinahe nichts mehr getan worden, und was die Kaiserlichen darauf taten, ist eben auch nicht weit her. 

Wir machten diesen Weg trotz unsrer ausgemergelten Körper in wenig Tagen und hatten immer mit Mangel zu kämpfen, weil der Feind uns hier in der Nähe war und kein Marketender uns zu folgen sich getraute. Einige Weiber und Menschen zogen zwar mit, aber die hatten leider selbst nichts, konnten also auch nichts verkaufen.

#September 1792 l'Entré: Drecklager im Regen - die ekelhafte Wahrheit - Angst vor den Lazaretten

...aber nichts nahm unsere Leute ärger mit als der Durchfall, der allgemeine Durchfall und dann die darauf folgende fürchterliche Ruhr. Delikate Leser würde es aufbringen und ihren Ekel rege machen, wenn ich über diesen Gegenstand alles sagen wollte, Aber für delikate Leser ist dieser Teil meiner Schrift nicht, sondern für Männer, dessen Absicht es ist, das Elend unserer Feldzüge gegen die Neufranken in seiner wahren Gestalt kennenzulernen und diese suchen nur Wahrheit, auch ekelhafte Wahrheit, wenn sie nur Resultate daraus ziehen können.

#September 1792 l'Entré: Drecklager im Regen – Anfang vom Ende

Bisher waren wir in der Wäsche noch ziemlich rein geblieben, aber nun, da sich nicht mehr waschen ließ, da sogar das Leinenzeug im Tornister vermoderte, fanden sich auch sehr unangenehme Tierchen, diese hässliche Plage der Soldaten im Felde, bei uns unerträglich ein. Selbst die Offiziere konnten ihnen nicht mehr entgehen und lernten nun auch erst recht das volle Elend des Kriegs erkennen.

#September 1792 l'Entrée: Französisches Kirchenholz im Drecklager – Bauern kaufen ihre Rinder zurück

Die Bauern in l’Entrée hatten ihre Kirche abgetragen und neues Holz zur Erbauung einer anderen herbeigeschafft, Dieses neue Holz samt dem alten holte man ins Lager und verbrannte es, mitunter auch Kanzel und Orgelschnitz. Dabei wurde nun brav gelacht und Spaß getrieben – und noch jetzt sprechen die Soldaten vom französischen Kirchenholz im Drecklager. 

Das Hungern der Soldaten beginnt
Die Lebensmittel waren hier entsetzlich rar und teuer. Der Mangel konnte auch durch die wirklich große Menge von Kühen, welche man den Landleuten genommen und der Armee nachgetrieben hatte, nicht sehr erleichtert werden. Was war auch ein halb Pfund elendes, altes Kuhfleisch für den Soldaten, der kaum in drei Tagen für einen Tag Brot hatte? Da musste er ja doch hungern! Zudem wurde das beste Vieh von den angesetzten Treibern an die Bauern, welche von weitem herbeischlichen, verkauft. Das beste Fleisch wie auch alles Schweine- und Hammelfleisch war übrigens für die Offiziere und ihre Bediente, davon bekam der Soldat nichts.

#5. September 1792 bei l'Entrée: Das so genannte Drecklager – Erinnerung an Eulerkapper

Endlich ward es Tag und die Soldaten krochen aus ihren Zelten wie die Säue aus ihren Ställen – sahen auch aus wie diese Tiere, wenn sie aus Ställen kommen, welche in sechs Wochen nicht gereinigt sind. Der Kot, worin man sofort patschen musste, wenn man aus dem Zelte heraustrat, lief gleich in die Schuhe; denn er war dünn und tief, worüber denn einige Soldaten dumpf brummten, andre laut fluchten, alle aber darin übereinkamen, dass dieses abscheuliche Lager sofort „Drecklager“ heißen sollte.
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