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Magister Laukhard

# Frühling 1784 Halle: Sturm und Sonnenschein – Vater und Sohn – Soldat und Magister

Mein Vater lag mir, wie billig, gleich vom Anfang meiner neuen Lebensart stark im Sinne. Was wird der ehrliche Alte empfinden und sagen, wenn er erfährt, dass nun alles an dir auf einmal ohne Hoffnung verloren ist? Dieser Gedanke fuhr mir immer durch Kopf und Herz und vergällte mir jeden Augenblick.

Um diese Qual loszuwerden, bat ich den D. Semler schriftlich – denn persönlich wollte ich den ehrwürdigen Mann in meiner Soldatenuniform noch nicht angehen –. er möchte suchen, meinem Vater meinen Schritt zum Soldatenstande auf die glimpflichste Art beizubringen.

# Sonntag, 29. Dezember 1783 Halle: ...und so war mein Herr Soldat fertig.

Sonntags früh wurde ich zum Fürsten geführt. Er bewies mir in Form rechtens, dass ich mich wirklich hätte anwerben lassen und folglich Soldat bleiben müsste. Er sprach mir noch allerhand Trost zu, der aber bei mir nicht anschlug. Zutzel hatte mir den Herrn Fürsten schon den Tag vorher näher beschrieben. 
 
Man legte mir ohne weitere Komplimente den Soldateneid vor und ich Schwur ihn. Und so war mein Herr Soldat fertig. 

Mein Handgeld wollte mir der Hauptmann zwar übergeben, doch stellte er mir vor, dass ich besser täte, wenn ich’s in seinen Händen ließe. Ich würde sonst drum geprellt werden.

# 26. Dezember 1783 Halle: Der Herr Magister wird endlich gar – Soldat

Früh erinnerte ich den Cheminon an sein Versprechen. Er war willig dazu, sagte mir, sein Hauptmann käme diesen Tag auf die Wache, da könnte ich ihn auf der Hauptwache sprechen. Das war mir denn recht. 

Nachdem also die Wache aufgezogen war, ging ich mit Cheminon zum Hauptmann, dessen offenes Wesen mir gleich gefiel. Er war sehr gefällig und wir redeten von allerlei, doch aber kam das Gespräch immer wieder auf mein Soldatwerden. 

Herr von Müffling hatte einen Band von der deutschen Übersetzung des

# 25. Dezember 1783 Halle: Endlich Ruhe...? – ein Entschluss macht froh, "so froh, als ich seit einem Vierteljahre nicht gewesen war"

Früh war ich noch in Kleidern. Ich las in Tassos »Gerusalemme liberata« und las die äußerst rührende Stelle, wo Tancred sein Mädchen ermordet. Diese Stelle hatte mich mehrmals innigst gerührt, aber damals musste ich überlaut dabei lachen. 

Morgens um 6 Uhr...
Ich ließ mich frisieren und lief sodann spornstreichs zur Christmette um sechs Uhr. Aus der Christmette lief ich, ohne zu wissen, wohin, zum Tor hinaus, zu dem Wirt in den »Pulverweiden«.

# 24. Dezember 1783 Halle: "Du bist ein Mensch. Alle Menschen sind Schurken. Also auch du! Hast du meinen Schluss verstanden. Geh'!" – Köster verfolgte mich, so sehr ich mich bemühte auszureißen. Endlich fuhr ich in ein Loch, worin ich noch niemals war...

Ich überlegte in dieser Not, wie es wohl werden würde, wenn ich mich anderswohin begäbe? Allein wohin? Ich traute den Menschen einmal nicht mehr, weil ich Vater und Bruder nicht mehr traute; und wie sollte ich fortkommen? Ich hatte weder Wäsche noch ganze Stiefeln, und im Winter, der es war, mußte ich befürchten, unterwegs umzukommen! Der bestimmte Posttag kam heran, aber leider wieder kein Brief! Man versetze sich in meine Lage und bemesse danach den Drang und Sturm meiner Empfindungen.

# 6. Dezember 1783 Halle: ...verzweifelte Lage

Meine beiden Disputationen, der Verlust des Honorars für meinen „Baldrian“, die Geldausgaben, um mich durch Zerstreuungen von dem Ärger über dies und jenes zu erholen, nebst meiner Gutmütigkeit, einem jeden gern mitzuteilen, was ich hatte – das alles hatte mir Schulden zugezogen, zu deren Tilgung mein Wechsel mich nicht erreichte.
Dass ich mit meinen Kollegien wenig werde verdient haben, versteht sich für mich als Anfänger schon von selbst. Einmal ist in Halle das Freirennen der Kollegien gar sehr gewöhnlich.
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