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Studentenleben

# Ende April 1776 Gießen: Eine Serenade für die "Zarin" wird verboten – der Mäusekrieg beginnt

Im Frühling dieses Jahres kam der Bruder des regierenden Herzogs von Württemberg durch Gießen mit seiner Tochter, die für den Russischen Großfürsten zur Gemahlin bestimmt war. Der Herzog logierte über Nacht im Posthaus, Die Studenten wussten das vorher und machten Anstalt zu einer Serenade, so gut man dergleichen in Gießen haben kann.

Die Gießer Hautboisten, die sich freilich unter Meister Wittichs Anführung wenig über gemeine Biersiedler erheben, wurden in Beschlag genommen.

# 7. April 1776 Ostersonntag: Rückblick aufs erste Semester - Ferien zu Hause – Mein Glaubensbekenntnis vom lieben Frauenzimmer

Rückblick aufs erste Studienjahr
Das erste Jahr hatte mein Wechsel hübsch zugereicht und ich war um Ostern 1776 keinen Pfennigg schuldig. Ich hatte zwar lustig gelebt, doch hatte ich meine Ökonomie so eingerichtet, dass ich mit dem Bestimmten auskam. Auch hatte mir einige gute Bücher, unter andern die Boussuet=Cramersche Historie, Mosheims Institutiones Hist. Eccles. majores, le siècle der Louis XIV. und einige andre angeschafft. Meine Mutter gab mir das Geld dazu her und bezahlte mir auch den Italienischen Sprachmeister.

# Wintersemester 1775 Gießen: Besuch in Marburg – Begegnungen – die Herren Feuer- und Schwert-Apostel waren von jeher unausstehliche, selbstsüchtige Grillenfänger...

In einigen Kollegien hospitierte ich und besuchte auch selbst einige Gelehrte, bei denen mich mein Vetter Böhmer, der Hofmeister bei Herrn von Breitenbach, einführte. Es waren die Herren Wyttenbach, Koing, Seib und Curtius.

HerrCurtiusist einherrlicher Mann, so viel ich nämlich nach der kurzen Bekanntschaft urteilen konnte. Er sprach sehr hübsch und gründlich über Literatur und Philologie und machte auch einige Anmerkungen über Herrn Schmid in Gießen, die mir bass behagten.

# Wintersemester 1775 Gießen: Besuch in Marburg – ça donc ça donc

Die Universität Marburg habe ich einigemal besucht und da sowohl den Burschen-Komment als auch einige Gelehrte kennen gelernt. Die Universität war damals sehr schwach: sie hatte kaum 180 Studenten, deren Komment elend genug war, nämlich burschikos zu reden. Die Studenten waren meist Landeskinder und man hielt sie in gar strenger Zucht. 

Als ich von Gießen aus da war, machten die Marburger Studenten eine Figur wie ungefähr die Schüler auf dem Halleschen Waisenhaus.

# Oktober 1775 Gießen: Siehe da einen Ordenensbruder – von unheiligen Sammlungen von Gesetzen

Als ich hineintrat, las man mir die Gesetze vor,  welche in gewisse Titel, z. B. von Schlägereien, vom Borgen und Bezahlen, vom Fluchen und Zotenreißen, abgeteilt waren. Die Sprache der Gesetze war äußerst legal, das ist, undeutsch und unverständlich.

Da die Gesetze nach und nach gemacht sind, so fehlt es ihnen nicht an Widersprüchen, Wiederholungen und ganz unbrauchbaren Vorschriften. Doch das ist ja auch der Fall im Corpus juris und in mancher anderen heiligen und unheiligen Sammlung von Gesetzen,

# Nachtrag zum Frühjahr 1775 Gießen: Auch ich ward leider burschikos – Sieger im Duell

Ich fand zu Gießen einige Landsleute, welche mich zustutzten und mit dem Komment, vertraut machten. Ich sah die Burschen, ich bewunderte sie, und machte so recht affenartig alles nach, was mir an ihnen als heroisch auffiel. Da ich bemerkte, dass die meisten den Hut quer trugen, so trug ich den meinen auch so, und gefiel! 

Zum Unglück war gleich in Wieseck ein Kommers, ich wohnte demselben bei, musste über zehn Maß Bier zur Strafe ausleeren, weil ich die Kommerslieder nicht auswendig wusste, und erwarb über dreißig Duzbrüder!

# Oktober 1775 Gießen: Siehe da ein Ordensbruder

Hätte ich vor meiner Aufnahme das eigentliche Wesen einer solchen Verbindung gekannt, ich würde wahrlich niemals hineingetreten dein. Das Ding ist ein Gewebe von Kindereien, Absurditäten und Präsumtionen, über welche ein kluger Mann bald unwillig werden muss.
Die Gesetze sind alle so elend abgefasst und so kauderwälsch durcheinander geworfen, dass man Mühe hat, sich aus dem Labyrinthe derselben heraus zu winden.

Überhaupt ist es ein erztoller Gedanke, dass ein Haufen junger Leute eine geheime Gesellschaft stiften wollen, deren Zweck ist, sich ausschließlich das höchste Ansehen zu verschaffen: deren Oberhaupt ein Bursche ist, welcher eine Gewalt in seinem Orden ausübt, wie weiland der Jesuiten General in der Gesellschaft Jesu.

# Oktober 1775 Gießen: Ein lustiges Pfälzer-Kränzchen

Die Pfälzer hatten ein Kränzchen unter sich errichtet, welches herumging und uns viel Vergnügen machte. Wir hatten freilich unsre Gesetze und Statuten, die den Gesetzen der Orden ziemlich nahe kamen: unser Zweck war auch der Zweck aller Orden, nämlich ein gewisses Ansehn auf der Akademie zu behaupten. Aber wir waren weder eidlich, noch auf sonst eine Art an einander gekettet und es stand einem jeden frei, uns zu verlassen, sobald es ihm beliebte. 

Übrigens herrschte unter uns die größte Freundschaft und Harmonie. Und da wir lauter solche zu Mitgliedern hatten, die als honorige Bursche auf der Universität angesehen waren, so wagte es niemand, das Pfälzer-Kränzchen zu beleidigen oder schlecht davon zu sprechen. So blieben die Sachen eine geraume Zeit, bis endlich ich und noch zwei andere aus unserm Kränzchen uns in den Amicisten Orden aufnehmen ließen.

# Oktober 1775 Gießen: Bekenntnisse eines ewigen Studenten

Die Ferien waren schon acht Tage zu Ende, als ich nach Gießen zurück kam. Ich ordnete meine Kollegia und fing an fleißig zu studieren. Ich fand jetzt mehr als jemals, dass Kenntnisse ein wahres Bedürfnis für meinen Kopf waren. Ich habe auch, ohne mich zu rühmen, bloß aus innerem Trieb und niemals deswegen gelernt, weil ich einmal mein Brot damit verdienen wollte. 

Meine Weisheit ist niemals weit her gewesen und in keiner einzigen Wissenschaft hab ich mich über das Mittelmäßige erhoben. Doch habe ich ohne Unterlass studiert, und studiere noch recht gern. Nur muss mir ein Buch in die Hände fallen, worin mehr erzählt als räsonniert wird. Denn gegen das Räsonieren hab ich von jeher einen gewissen Widerwillen gehabt. Und das ist auch der Grund, dass ich in der Philosophie ein jämmerlicher Stümper geblieben bin. – Vielleicht war aber das auch so übel nicht.

#29. September 1775 Michaelis: Semesterbeginn

Das Wintersemester 75/76 beginnt. Laukhard sollte zu seinem zweiten Semester bereits in Gießen sein. Unser Fritz zieht es vor, sich noch etwas Zeit zu lassen...
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